Ich war beim Song Slam. Das ist ein Liedkarussell der Befindlichkeiten. Das Publikum entscheidet durch Applaus, wer weiterkommt. Also offiziell nach Musik.
Ich war Publikum und die Hände haben den ganzen Abend weh getan. Ich nehme sowas ernst.
Gewonnen hat Katharina aus Berlin. Verdient. Die Frau hatte nicht nur Songs, sie hatte eine Dramaturgie. Sie spielte das Publikum, die Kollegen – und verschenkte am Ende sogar ihren Preis ans Publikum: eine Flasche billigen Sekt. Dominanz mit Plastik-Korken.
Während ich erfolglos meine Hände gegeneinander krachen ließ, merkte ich allerdings: Ich bin neidisch. Nicht auf die Bühne, auf das Publikum. Ich habe einfach die falschen Befindlichkeiten.
Da war man „neuro-untypisch“, vereinzelt, verletzlich – und endlich gemeinsam damit. Individualität als Mannschaftssportart.
Und dann der Satz: „Singt doch alle mit – sonst bin ich hier so allein.“
Du stellst dich allein auf eine Bühne, um deine Vereinzelung zu besingen – und im ersten Lied hat der ganze Saal Dienstpflicht.
Das Gemeine daran: Gute Musik gab’s auch. Jetzt kann ich mich nicht mal ordentlich beschweren.